Wie man sein eigenes Buch verkauft

Trainings-Buch Mein Golf Training

Meine Freundin und ich saßen damals in einem Cafe in Kalk Bay in Südafrika. Es war der 29. November 2012, mittags. Hier Sommer, bei uns in Deutschland tiefster Winter. Ich verband mich mit dem WLAN und rief meine Mails ab. Große Erwartungen hatte ich nicht, aber dann machte es Pling und drei Bestellungen trudelten ein. Ich hatte mein erstes Buch an drei Kunden verkauft, nachdem ich in der Nacht zuvor mit einem eher einfachen Shop online gegangen war.


Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn völlig fremde Menschen etwas kaufen, das man sich selber ausgedacht hat. Eine Woche später hatte ich 18 Bücher verkauft. Fast Forward ins Jetzt. Es sind mittlerweile mehr als 10.000 verkaufte Exemplare. Das Buch heißt übrigens Mein Golf Training und kostet 19,90 Euro. Mittlerweile verkaufe ich über verschiedene Plattformen, darunter immer noch meine eigene Webseite mein-golf-training.de, Amazon, aber auch im Handel bei Golf House oder in Pro-Shops in der Schweiz (über einen Distributor). Außerdem habe ich eine englische Version herausgebracht und auch mal den US-Markt getestet.

Aber zurück nach Südafrika. Bereits 2011 war ich im deutschen Winter dort, damals noch in einem „normalen Urlaub“ eines regulär angestellten Arbeitnehmers. Ich glaube es waren zwei Wochen. Eine Freundin drückte mir damals das Buch von Tim Ferriss in die Hand. „The 4-Hour Workweek“. Da ich generell gerne lese, nahm ich es mit an den Strand. Tim Ferriss schreibt zwar sehr amerikanisch, also mit vielen Superlativen und reichlich Euphorie, aber einige Gedanken bringt er exzellent rüber. Man sollte die spannenden Dinge im Leben nicht für später aufheben. Die meisten Menschen denken ja eher so in der Richtung:

  • Das mache ich, wenn ich in Rente bin und Zeit habe …
  • Wenn ich finanziell unabhängig bin …
  • Wenn die Kinder aus dem Haus sind …
  • Wenn mein Lebenslauf besser aussieht …

Außerdem geht es um einen sinnvollen Umgang mit Kommunikationsmitteln, das Outsorcing von Dingen, die andere besser können, und den Aufbau von überschaubaren Geschäftsmodellen, die einem genügend finanzielle Sicherheit geben, ohne einen über die Maßen an einen Bürostuhl zu fesseln.

Ich hatte mein Arbeitsleben zu diesem Zeitpunkt schon recht stark nach meinen Idealen eingerichtet. Während meines BWL-Studiums arbeitete ich bei einem Golf-Magazin in der Redaktion, da mich der Sport seit meiner Kindheit begeistert. Dort fing ich dann auch als Redakteur an, ehe ich Chefredakteur eine Golf-Webseite wurde. Als Golf-Journalist war ich nah dran am Geschehen: Ich reiste zu den Majors in die USA und nach Großbritannien, sprach mit Spielern und Trainern und sollte 2016 beim Ryder Cup sogar einmal neben meinem Kindheitsidol Michael Jordan „inside the ropes“ laufen, als wenige Meter daneben Martin Kaymer den Ball Richtung Grün spielte. Außerdem bereist man Länder auf der ganzen Welt und testet dabei Plätze und Hotels.

 

Nicht ganz einfach: Einen Job finden, der richtig Spaß macht und gut bezahlt ist

Der Job ist zwar nicht gut bezahlt, aber er macht ziemlich viel Spaß. Vor allem, wenn man Interesse an dem hat, was man tut. Wahrscheinlich ist es vergleichbar mit einem Fußballkommentator, der von der Champions League berichtet. Das ist nur das Problem, dass das wahrscheinlich 40 Millionen Deutsche gerne als Beruf machen würden. Und das sogar umsonst.

Aber das mit dem Geld hat mich schon genervt. Meine Freunde aus Unizeiten sind Anwälte, Richter, Berater, Ärzte. Fast alle arbeiten in großen Unternehmen – und eigentlich alle verdienen vergleichsweise viel Geld. Die Journalisten, die ich kenne, sind in Sachen Gehalt hingegen eher medium aufgestellt. Das wollte ich gerne zu einem gewissen Grad ändern. Ohne meine Freiheit zu verlieren.

Aber zurück an den Strand von Kapstadt und ins Redaktionsbüro … Nach der Tim-Ferriss-Lektüre brauchte ich noch ein paar Wochen, aber immerhin hatte ich gedanklich schon die ersten Schalter umgelegt. Etwas im Golf sollte es sein. Kapital hatte ich wenig bis keins. Also kam mir so etwas Geniales wie das Geschäftsmodell von Vice Golf nicht in den Sinn. Stattdessen wurde es ein Mix aus den Sachen, in den ich mehr Wissen als andere habe: Texten, meine eigenen Erfahrungen als halbwegs guter Amateur und der Kontakt zu Profi-Golfern.

Daraus entstanden schließlich 30 übersichtliche Trainingspläne für Amateur-Golfer, die auch die Profis anwenden. Allerdings in komprimierter Version, denn als Amateur möchte man keine sechs Stunden trainieren, sondern eher mal 30 bis 60 Minuten. Das Erfolgsgeheimnis? (Es gibt tausende von Trainingsbüchern über Golf.) Anders sein als die anderen.

Hier einige Unterschiede zur klassischen Trainings-Literatur (USP sagt der BWLer dazu):

  • Das „Buch“ hat ein Ringbuchformat und kommt ins Golfbag, nicht ins Bücherregal. Mal hat es also beim Üben dabei.
  • Wenig Text und eine grafische Darstellung der Übungen. Immer ein identischer Aufbau. Das ist gar nicht so einfach, denn viele Schreiber schwafeln gerne. Man muss also schnell auf den Punkt kommen. Weniger ist in diesem Fall mehr.
  • Der Aufruf, die Trainings-Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Musste ich auch erst lernen, aber es hilft.
  • Keine technischen Tipps, sondern situatives Umsetzen. Mit dem Hinweis, dass der Trainierende bei technischen Problemen durchaus zu einem „richtigen“ Golflehrer gehen sollte. Das macht das Produkt auch für Trainer attraktiv und kannibalisiert ihre Arbeit nicht.

 

Das eigene Buch: über die Umsetzung

Die Umsetzung eines Buchs ist letztlich auch kein Hexenwerk. Ich habe einen kleinen Verlag gegründet, mir eine tolle Grafikerin gesucht und Vertriebswege überlegt. Dann druckt man das Ganze, sucht sich einen Logistiker (Fulfillment), erstellt eine Webseite – und los geht’s. Bereits während dem Verfassen habe ich zudem mit der Pressearbeit begonnen. Das ist viel Arbeit, aber sehr nützlich. Denn eine redaktionelle Erwähnung kostet nichts und ist unabhängig, eine Anzeige wiederum kostet viel und wird auch meistens als Werbung wahrgenommen.

Die größte Aufgabe ist natürlich das Erschaffen. Insgesamt haben Recherche, schreiben, skizzieren und abstimmen rund ein halbes Jahr gedauert. Überwiegend neben meiner Arbeit als Journalist. Es hat sich aber gelohnt, wie ich finde.