Oura Ring im Test: Meine Erfahrungen mit dem gehypten Schlaf-Tracker

Oura Ring im Test

Ein Ring, der die unterschiedlichen Schlafphasen misst und Empfehlungen gibt. Klingt bisschen nach Zukunft, aber macht in der Welt der Selbstoptimierung natürlich Sinn.


Ich kam eher auf Umwegen zu meinem Oura-Ring. Bei einem 12min.me-Event, auf dem drei Themen in kurzer Zeit vorgestellt und diskutiert wurden, hieß einer der Speaker Chris Surel. Der ehemalige Tennisspieler ist mittlerweile Schlaf-Experte und berät vor allem Kunden, die unter hohem Stress stehen. In seinem Talk berichtete er beispielhaft von einem Senior Consultant, der zwar eigentlich genügend Schlaf habe, sich aber dennoch jeden Morgen extrem erschöpft aus dem Bett quälte. „Zombie-artig“ sei dieser nach eigenen Angaben unterwegs gewesen. Also musste ein Schlaf-Coach her – und der hieß Chris Surel. Für die Analyse verwendet Surel generell einen Oura-Ring. Mit den individuellen Daten geht es im Anschluss an mögliche Lösungen. Bei dem Consultant kam raus, dass er zwar rund acht Stunden pro Nacht schlafe, aber sein Körper es nur wenige Minuten in die Tiefschlafphase schaffte. Gute Werte sind ein- bis eineinhalb Stunden! Interessant dachte ich mir, und bestellte kurzerhand einen Schlaf-Tracking-Ring.

Über Oura Health: Schauspieler Will Smith ist investiert

Das Start-up kommt übrigens aus Oulu in Finnland und wurde 2013 gegründet. Mittlerweile hat Oura Health aber auch Büros in Helsinki und San Francisco. 2018 wurde ihr Ring mit dem Red Dot Award ausgezeichnet. Investiert wurde ebenfalls: Mehr als 20 Mio. US-Dollar kamen von Privatinvestoren, darunter berühmte Namen wie Schauspieler Will Smith, Ex-Basketballer Shaquille O’Neal und YouTube-Mitgründer Steve Chen. Auch die Kunden können sich sehen lassen. Jack Dorsey, Biz Stone (beide Twitter), Marc Benioff und Prinz Harry tragen beispielsweise einen Oura-Tracker.

Aber zu meinen eigenen Testerfahrungen. Ich nutze den Ring seit zwei Monaten täglich. In den ersten zwei Wochen hatte ich ihn nahezu 24h/Tag am Finger. Danach nur noch zum Schlafen, da mich der Ring vor allem bei Sport stört und auch sonst nicht ganz meinen Geschmack trifft (er ist mir etwas zu wuchtig). Die Usability hingegen ist exzellent: Über Bluetooth werden die Daten beim Aufrufen der Oura-App vom Ring auf das Smartphone übertragen (iOS in meinem Fall). Die Daten sind dabei in mehrere Kategorien unterteilt:

Sleep: Natürlich wird die Anzahl der Stunden getrackt. Wichtiger – und deutlich genauer – sind aber die Unterteilungen in Deep Sleep (Tiefschlaf), REM Sleep (steht für Rapid Eye Movement, auf Deutsch unter paradoxer oder desynchronisierter Schlaf bekannt) und Light Sleep (leichter Schlaf).

Readiness: Die Balance zwischen erholsamen Schlaf und Aktivität zuvor (gemessen durch Körpertemperatur und Herzschlag).

Activity: Das Bewegungsprofil lässt sich ebenfalls erfassen. Man trägt verschiedene Sportarten ein und kann die Intensität festlegen (drei Stufen). Außerdem kann erfasst werden, wie viele Kalorien man verbraucht.

Moment: Audio-Meditation, allerdings nicht so hochwertig wie Headspace oder Calm.

Mein Fazit: Der Oura Tracking Ring kann was!

Insgesamt bin ich mit dem Tracking Device sehr zufrieden. Die Idee ist super umgesetzt und auch der Ring sieht recht schick aus. Allerdings ist er mir für meinen Geschmack zu wuchtig, aber Geschmäcker sind natürlich verschieden. Dennoch ist es beachtlich, Chip und Batterie in so ein kleines Gadget einzubauen. Die App ist ebenfalls gelungen. Die Datenverarbeitung geht schnell und die Usability ist durchdacht. Mein Fokus liegt klar auf den Schlaf-Daten – und die werden ziemlich gut erfasst. Inwiefern diese in Sachen Genauigkeit es beispielsweise mit den Daten aus einem Schlaflabor aufnehmen können, kann ich leider nicht sagen, aber für einen normalem Anwender sind die Tendenzen auf jeden Fall erkennbar. Erstaunlich ist, wie stark sich Alkohol und (zu) spätes Essen auf den Schlaf auswirken. Das war mir in der Form nicht bewusst.

Doch was macht man dann eigentlich mit all den Erkenntnissen aus dem eigenen Schlafverhalten? Erst einmal erkennt man schnell, ob man generell gut schläft. In meinem Fall ist das so (mein Score ist im Schnitt bei 80+). Dennoch gibt es meist Möglichkeiten für eine Verbesserung (abgesehen von einem passenden Bett und einem ruhigen und dunklen Schlafzimmer). Die wichtigste fand ich, dass man immer in etwa die gleiche Zeit zum Aufstehen nutzt – und zwar nicht nur unter der Woche (bei mir: 7.40h). Am Wochenende sollte man ebenfalls diese Zeit einhalten, was mir nach ein paar Wochen Eingewöhnung gut gelungen ist. Ein Trick dabei: Wenn man wirklich länger schlafen möchte, steht man dennoch zur Standard-Zeit auf, trinkt kurz etwas Wasser und bewegt sich ein paar Minuten. Dann legt man sich wieder hin und schläft nochmal eine Runde. In dieser Phase gelangt man sowieso kaum in den Tiefschlaf. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Abschalten von blauem Licht, ehe man sich ins Schlafzimmer begibt. Bei mir wird das Smartphone nachts eh auf Flugmodus gestellt. Wenn möglich bereits zwei Stunden vor dem Zubettgehen. Dazu lese ich Abends gerne noch ein wenig, ehe ich einschlafe. Netflix bis 1 Uhr und dann versuchen, sofort einzuschlafen, ist meistens nicht die beste Wahl.

Bestellablauf bei Oura

Beim Bestellen des Rings bekommt man nach dem Bezahlvorgang erst einmal einen Sizing-Kit zugeschickt. Dort sind verschiedene Plastikringe enthalten, anhand der man seine eigene Ringgröße einschätzen kann. Nach dem Bestätigen der Größe wird dann im nächsten Schritt der eigentliche Ring zugestellt. Bei mir hat alles zusammen etwa zwei Wochen gedauert.

Preise: Oura Smart, Stealth und Diamond

Das Modell in Silber oder Schwarz kostet aktuell 314 Euro. Für die teuerste Variante mit den Namen „Diamond“ verlangt Oura bis zu 1.049 Euro. Die Batterie hält etwa eine Woche. Eine Ladekabel mit einer Art Ringfassung zum Auflegen wird mitgeliefert.