Im Interview: Michael Freymann von Spurart

Michael Freymann im Blog von Salt on Wood

Do-it-yourself und Individualisierungen sind weiter voll im Trend. Auch in hochwertigen und teuren Produktkategorien. Genau das bieten Michael Freymann und Peter Pfeifer im durchaus hochpreisigen Segment Wintersport an. Seit 2010 werden in der Spurart-Werkstatt in Innsbruck handgefertigte Ski und Snowboards hergestellt. Hier kann jeder, ohne Vorkenntnisse dafür unter fachmännischer Anleitung, sein eigenes Modell bauen. Außerdem bietet das dynamische Duo auf Bestellung auch eigene Custom-Skis an.


 

Salt on Wood: Klingt erstmal so, als hättest du dein Hobby zum Beruf gemacht?

Michael Freymann: Stimmt genau … Schon neben dem Studium habe ich in der Skibranche gejobbt. Als Trainer für junge Rennfahrer, als Skitester für die Industrie und Magazine sowie als Mädchen für alles. Rund ums Skifahren liegen natürlich meine Kompetenzen. Außerdem ist mein Netzwerk in der Skibranche ziemlich gut. Das konnte ich beruflich natürlich nutzen – und irgendwie muss man natürlich das machen, worin man gut ist und sich auskennt. Ganz nebenbei kann ich durch meinen Job recht viel Skifahren und Zeit am Berg verbringen. Ich habe also zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt.

Salt on Wood: Wie kamst du auf die Idee für eine Werkstatt zum Selberbauen?

Michael: Grundsätzlich habe ich mir schon immer gedacht, dass die etablierten Vertriebswege in der Industrie eher verstaubt sind. Auf die Idee bin ich aber nicht selbst gekommen, sondern eine kleine Firma: Pepper Blue in Bayern, die Skibauseminare in einem alten Kuhstall angeboten haben. Die hatten damit viel Erfolg und ein hohes Medienecho. Ich habe ihnen dann eine Kooperation für einen zweiten Standort als Franchise angeboten. So habe ich angefangen. Leider hat sich Pepper Blue aus dem Skibau zurückgezogen und ist jetzt in anderen Bereichen tätig. Somit habe ich SPURart ins Leben gerufen, als eigenständige Firma. Für mich war klar, dass Innsbruck als die Alpenstadt der perfekte Standort für unsere Unternehmung ist. Innsbruck ist international sehr gut zu erreichen und bietet das passende Image. Wir können auf sehr viel Know-how und richtig gute Mitarbeiter zugreifen, da hier viele Ski- und Snowboardbegeisterte leben und studieren. Mit dem Tiroler Tourismusverband haben wir zudem einen starken Partner. Die Wintersportmaschinerie ist in Tirol einfach riesig. Mittlerweile sind die Hälfte unserer Kunden Einheimische.

Salt on Wood: Wie viele Skifans bauen sich pro Jahr bei euch einen eigenen Ski oder ein Snowboard?

Michael: Es sind etwa 200, wobei wir rund 50 Snowboards und Splitboards bauen.

Salt on Wood: Und wie sieht euer klassischer Kunde aus? Wahrscheinlich kommen überwiegend sehr gute Alpinsportler?

Michael: Der klassische Kunde bekommt seinen Skibau-Workshop zum Geburtstag. Oft kommen auch Hochzeitspaare. Ansonsten interessieren sich handwerklich begeistere Skifahrer für uns, die eigentlich schon alle Varianten im Keller stehen haben, aber etwas Besonderes suchen. Außerdem gibt es noch Kunden, die im Handel nicht das bekommen, was sie suchen. Zum Beispiel ein Snowboard mit speziellem Shape oder viel Fläche für große Füße. Was uns freut: Wirklich jeder ist danach richtig stolz auf sein Werk. Ach ja, mittlerweile besuchen etwa 30 Prozent Frauen unsere Kurse.

Gibt es den perfekten Ski?

Salt on Wood Du bist selbst ein exzellenter Skifahrer und warst zehn Jahre als Ski-Tester unterwegs. Sind die Unterschiede zu den Skiern von der Stange groß?

Michael: Natürlich bauen die großen Firmen top Ski, allerdings muss man sich mit dem Angebot begnügen. Eine große Stärke von uns liegt in der Beratung. Darüber hinaus haben wir eine Fertigungsmethode speziell für die individuelle Produktion von Einzelstücken entwickelt. Alle Parameter des Shapes sind dabei veränderbar – das ist unsere Kernkompetenz. Dadurch ist auch unsere Lernkurve riesig, denn wir entwickeln uns mit jedem einzelnen Ski weiter. Auch das Design unterscheidet sich deutlich vom klassischen Look der Stangenski. Wir verwenden zum Bespiel besondere Hölzer oder Carbonoberflächen für das Deckblatt, gestalten aufwendige Intarsien und können Lasergravuren einsetzen.

Salt on Wood: Wo wird bei der Massenherstellung gespart?

Michael: In der Industrie kommen ganz andere Prozesse zum Einsatz, die auf eine extrem große Produktion ausgelegt sind. Die Produktion wird auch oft zusammengelegt, das heißt, dass eine Fabrik für mehrere Hersteller produziert. Viele kleinere Brands produzieren gar nicht selbst, sonder konzentrieren sich nur auf Marketing und Vertrieb.

Salt on Wood: Was macht ihr im Sommer? Oder ist der Andrang zu der Zeit dennoch hoch?

Michael: Wir bieten auch im Sommer Kurse an, denn es ist ja eigentlich egal, wann man seine Ski baut. Der Sommer ist aber auch die Zeit der Vorbereitung: Wir überarbeiten unsere Prozesse und Werkzeuge und bereiten alles vor, um in Herbst und Winter möglichst effizient Ski bauen zu können. Wir haben ja eine echte on-Demand-Produktion.

Salt on Wood: Wie kommen Neukunden zu Euch? Macht Ihr Werbung über Social Media?

Michael: Zum Glück haben wir durch unsere ungewöhnliche Story ein sehr hohes Medieninteresse. Zusätzlich funktioniert die Mundpropaganda. Aber natürlich sind wir als Lifestyle-Firma auf Facebook und Instagram vertreten. Seit einiger Zeit schalten wir darüber hinaus Google Ads und seit neuestem verwenden wir auch Facebook-Werbung. Offline ist aber auch wichtig: Seit diesem Jahr bauen wir auf Messen Skier vor dem Fachpublikum zusammen. Das kommt gut an – und so werben wir auch den ein oder anderen Kunden.

Salt on Wood: Das ganze klingt ja doch nach viel Handarbeit und Liebe zum Detail. Gibt es eigentlich Konkurrenten?

Michael: Die liebe zum Detail ist Grundvorausetzung und natürlich unser größter Antrieb. Mittlerweile gib es einige andere Skibauer die Kurse anbieten, allerdings eher als Nebenerwerb.

Per Workshop zum eigenen Ski

Kurse finden vorwiegend Samstag auf Sonntag ganztägig in der Werkstatt in Innsbruck statt. Teilnehmen kann jeder und es bedarf keinerlei handwerklicher oder technischer Vorkenntnisse. Die Workshops sind auf zehn Teilnehmer limitiert. Kurs-Kosten (inkl. Standard-Bambusfurnier und komplettem Service): 850 Euro/Ski, 750 Euro/Snowboard, 950 Euro/Splitboard

Info: spurart.at

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